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BLUE FLAGSHIPS/After Hour Joints
Elite Special, 2008
"Authentischer kann man R&B nicht spielen! Mitreissende und bewegende
Aufnahmen, die in der Schweiz entstanden. Neben der Standardbesetzung
kommen einige Veteranen sowie US-amerikanische Gitarristen zum Zug. Eine
wunderbar geglückte Zeitreise ohne Anflug von Nostalgie!"
Detlev Hoegen
Crosscut Records
Giessener Anzeiger/Lokales
9.11.2007
I. Müller
The Blue Flagships sorgten für kühne Sprünge auf dem Parkett
Begeisterndes Konzert mit einer Mischung aus Swing, Boogie sowie Rhythm´n Blues
ORTENBERG (mü). Volles Programm ist man im Jazzclub Ortenberg gewöhnt - eine
volle Tanzfläche schon viel weniger. Gehören die hiesigen Jazzer doch
zu den Laid-Back-Genießern, die eher nach einem fulminanten Solo zur
Höchstform auflaufen, als sich auf dem Parkett zu kühnen Sprüngen
hinreißen zu lassen. Große Ausnahmen: der traditionelle "Carnival of
Jazz" - und eben dieser Abend mit The Blue Flagships im Bürgerhaus
Ortenberg. Die sieben Vollblutmusiker aus Österreich, der Schweiz und
den USA boten eine exzellente Mischung aus Swing, Boogie sowie Rhythm´n
Blues der "Saxy Swinging 40ies" und zogen damit vor allem die eigens
angereisten Tanzpaare vom Tanzsportclub "Schwarz-Gold Aschaffenburg"
vor die Rampe. Aber auch unter den Tischen wippte und steppte es
gehörig, als die Band, die sich für dieses Konzert um den Ortenberger
Ausnahme-Pianisten Dirk Raufeisen gruppiert hatte, mit "Kansas City",
"Meet Me With Your Black Dress On" und "I Want To Rock and Roll" ihr
Terrain absteckte. Es zeigte sich, dass The Blue Flagships vom
bandeigenen Pianisten Dave Ruosch nahtlos zu einem vielseitigen
Künstler wie Dirk Raufeisen wechseln und dabei jede Menge Spaß haben
konnten.
Tommie Harris, der Alterspräsident der Band, einst von
dem Züricher Saxophonisten, Sänger und Bandgründer Duke Seidmann für
The Blue Flagships angeworben, beflügelte mit seiner Stimme und seinem
Charisma die Band, ließ sich andererseits aber auch spürbar von den
jüngeren Musikern Wendelin Salzmann (Tenor- und Bariton-Saxophon,
Gesang), Norbert Schneider (Gitarre, Gesang), Dani Gugolz (Kontrabass),
Peter Müller (Drums) und Dirk Raufeisen (Piano) mitreißen. Als Koryphäe
des Blues aus dem US_Bundesstaat Alabama begann Harris seine Karriere
als Gospelsänger, spielte in Marching-Bands als Schlagzeuger und wurde
1987 in die Alabama Jazz Hall of Fame aufgenommen. Seit 1970 ist
Deutschland seine Heimat. Mit großer Sicherheit versteht er es, den
klavier- und saxbetonten, tanzbaren Unplugged-Blues der Südstaaten in
die heutige Zeit zu übersetzen. Seine Kollegen von den Blue Flag- ships
verkörpern eine Band, die genau diese Stilart wie nur wenige
Spezialisten in Europa beherrscht. Als 2002 eine Begleitband für Red
Holloway, Carrie Smith und Fleetwood-Mac-Mitbegründer Jeremy Spencer
gesucht wurde, ging für die Musikerkollegen Duke Seidmann und Dani
Gugolz ein Traum in Erfüllung: Den Kennern der Szene gelang es, eine
Idealformation zusammenzustellen: The Blue Flagships waren geboren. Auf
der Suche nach einem geeigneten Blues-Schlagzeuger brauchte sich Gugolz
dabei quasi nur umzudrehen: Gemeinsam mit Peter Müller gehörte er seit
den Neunzigern zur Wiener "Mojo Blues Band".
Der Züricher Gugolz kam über das Klavier und den Jazz zum Blues, bevor
er als Profi-Bassist nach Wien ging. 1983 reiste er nach Chicago und
spielte dort mit Bluesmusikern wie Eddie C. Campbell, Jimmy Walker und
Big Smokey Smothers. Peter "Miller" Müller war seit 1989 das
rhythmische Rückgrat der "Mojo Blues Band". In Fred Below, dem
legendären Schlagzeuger aus Chicago, der den "Double Shuffle" zur
Perfektion brachte, entdeckte Müller sein Vorbild und zugleich das
Bindeglied zwischen Blues und Jazz. Mit dem jungen Wendelin Salzmann
aus St. Gallen in der Schweiz fanden The Blue Flagships einen ungeheuer
vielseitigen Profi-Saxophonisten, der sich seine ersten Lorbeeren unter
anderem mit Mundartrock, Europäischer Volksmusik von Klezmer bis
Guggemusig, in Straßen-, Afro- und Bigbands verdiente. Das zweite junge
Gesicht der Band gehört dem 28-jährigen Wiener Norbert Schneider, gern
als "Frauenschwarm" apostrophiert, der an diesem Abend mit "Sliping and
sliding", lautmalerischen Improvisationen und ungeheuer spannungs- und
klangfarbenreichen Gesang vom Absturz ins Liebesleid berichtete. Duke
Seidmann schließlich, Blues-Shouter und Master of Ceremony hat für den
R&B der vierziger und frühen fünfziger Jahre den Begriff
Prerock-Music erfunden und schöpft die Spannweite dieses Stils mit
Tenor-Vorbildern wie Al Sears, Ben Webster und Eddie "Lockjaw" Davis
nach allen Regeln der Kunst aus. Der langjährige Präsident des "Jazz
Circle Zürich" sorgt neben Tommie Harris für die Ansagen und hält die
Band auf der Bühne zusammen.
Nürtinger Tageszeitung/Lokalnachrichten
26.11.2005
Jürgen Gerrmann
NÜRTINGEN.
Die "Blue Flagships" verwandelten den kleinen Saal des Nürtinger
K3N am Freitagabend in ein Tollhaus - Musiker als auch Publikum vergassen
die Zeit völlig.... Passend zum Einsteinjahr erlebte man gemeinsam
mit dieser bunt gemischten Truppe, wie relativ der Begriff „Zeit“
denn zu sein vermag. Trotz 160 Minuten musikalischen Hochgenusses, für
den der Begriff „mitreißend“ im Grunde noch zu niedrig
gegriffen ist, fragte sich danach so mancher: „Was, schon vorbei?!“.
Die Schwaben zeigten einmal mehr ihr wahres Gesicht: Als Zeitgenossen,
die kein Halten mehr kennen, wenn sie jemand ins Herz geschlossen haben
- und das spürten die sieben auf der Bühne von den ersten Takten
an. Wenn man etwas mit Freude tut, dann gelingt es eben besonders gut
- und die BLUE FLAGSHIPS, sie müssen eine große Freude gehabt
haben an diesem Abend
- spürten gleich zu Beginn, wie sehr die Herzen der 250 Menschen
im kleinen Saal der Stadthalle mit-swingten, wie auch sie vom Pulsschlag
dieser Musik, die vor Leben nur so strotzt, zu immer grösserer Begeisterung
getrieben wurden. Das Erstaunliche: Bis auf Sänger Tommie Harris,
der durch die Aufnahme in die Jazz Hall of Fame seiner Heimat Alabama
bereits geadelt ist und die große Zeit des Rhythm ’n’
Blues nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet hat, kennen alle
anderen diese Musik quasi nur vom Hörensagen –aber wie sehr
sie sie verinnerlicht haben, das grenzt schon fast an ein Wunder.
Das
galt selbst für den Jungspund auf der Bühne: Der erst 26jährige
Norbert Schneider schwamm putzfidel durch die Wogen des Rhythm ’n’
Blues und genoss zudem sichtlich die Rolle als Frauenschwarm des Abends.
Die Debütantin des Abends meisterte ihre Premiere schlichtweg mit
Bravour – neben so einem grandiosen Tenorsaxophonisten wie Duke
Seidmann - Nina Kubik schaffte es indes schon beim allerersten Auftritt
mit den Flagships (sie substituierte den erkrankten Wendelin Salzmann),
sich nicht nur fantastisch einzufügen, als sei sie buchstäblich
schon seit Urzeiten dabei, sondern auch ebenso niveau- wie wirkungsvolle
eigene Akzente zu setzen. Hört und sieht man Dirk Raufeisen, der
ja schon für sich einer der besten deutschen Jazzpianisten ist, dann
fragt man sich, wie es überhaupt möglich sein kann, mit derart
affenartiger Geschwindigkeit die richtigen Tasten zu treffen. Und Dani
Gugolz und Peter Müller sorgten mit Kontrabass und Schlagzeug nicht
nur für eine lockere fröhliche Stimmung, sondern auch dafür,
dass der Abend immer den richtigen Drive hatte.
Blues
hält jung: Tommie Harris ist der lebende Beweis dafür. Der Altmeister
blüht mit dieser jungen Truppe auf, reißt die anderen mit und
wird von ihnen mitgerissen. Bei den Blue Flagships, da sang und tanzte,
schnippte und wippte nicht nur der Körper, sondern auch und gerade
die Seele. Und in solchen Momenten gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft.
Sondern nur noch Gegenwart. Das Jetzt und Hier. Nur dann ist ja der Mensch
wirklich bei sich. Und kann das wahre Leben spüren.
Bülacher
Tagblatt 13.11.2005
Heisse
Rhythm-and-Blues-Show
mit „The Blue Flagship“
Begeisternde Begegnung mit authentischer Black-Music im “JazzInn”
Bülach
Zu
einem mitreissenden Live-Erlebnis wurde das sonntägliche Debutkonzert
des "Blue Flagships Septetts" im vollbesetzten "JazzInn"-Lokal
in Bülach-Nord beim Jazzclub.
Eine derartige Publikumsbegeisterung in kürzester Zeit hatte man
im geschichtsträchtigen Lokal des Jazzclubs Bülach tatsächlich
noch nie erlebt. Denn dank der kurzfristigen Verpflichtung der international
renommierten Formation „The Blue Flagships“ brachte Jazzclub-Präsident
Paul R. Tantanini unter dem nicht alltäglichen Programm Slogan „Saxy’40ties
Rhythm & Blues“ einen schwarzen Musikstil nach unserem Bezirkshauptort,
wie man ihn selbst auf der CH-Jazzszene bisher noch nie gehört hatte.
Diese dynamische Profi-Band sind der Schweizer Bandleader, Tenorsaxofonist
und Sänger Duke Seidmann, Wendelin Salzmann (Tenor und Bariton, Saxofon),
Dave Ruosch (Klavier), Dani Gugolz (Kontrabass, vocal), Peter Müller
(Drums), Norbert Schneider (Gitarre, vocal) sowie der farbige US-Sänger
Tommie Harris aus Alabama. Im Gepäck hatten sie auch ihre brandneue
TCB-CD „The Blue Flagships – live“, di stellenweise
gleichzeitig Programm war!
Wilde Saxofone – heisse Rhythmen
Die sieben Musiker der Spitzenband verbindet seit 2003 eine grenzenlose
Liebe zum packenden Rhythm&Blues-Tanzstil der 40er Jahre in den farbigen
Getthos der amerikanischen Industrie-Grossstädte. Durch den Eintritt
der USA nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour in den Zweiten
Weltkrieg war dort eine Kriegsindustrie angelaufen, welche vielen arbeitslosen
Schwarzen plötzlich ein regelmässiges Einkommen und einen bescheidenen
Wohlstand brachte. Man ging wieder aus und tanzte an den Wochenenden in
den Tanzhallen zu völlig entfesselter Live-Musik. In diesem mitreissenden
Jazz- und Bluesstil wartete auch die vitale „Flagships“-Combo
mit viel Charme und ansteckender Spielfreude auf, die angesichts des hohen
spieltechnischen Niveaus der sich restlos engagierenden Profis wiederholt
stürmischen Beifall auf offener Szene auslöste. Während
etwa der Tasten-Virtuose Dave Ruosch mit rollenden Boogies am Flügel
aufhorchen liess, spielten Duke Seidmann und Wendelin Salzmann wild peitschende
Saxofon-Riffs, wozu die Rhythmiker Dani Gugolz und Peter Müller einen
total swingenden Drive beisteuerten. Norbert Schneider erwies sich sowohl
als Gitarren- wie Blues-Freak ebenso grossartig wie der farbige Blues-Sänger
und Entertainer Tommie Harris, der mit authentischen R&B-Klassikern
wie „Hey Lawdy Mama“ oder „La, La, La Lady“ für
Furore sorgte!
From:
Blues & Rhythm magazine (England) No. #204, November 2005
Reviewer: Paul Harris
THE
BLUE FLAGSHIPS: Live - feat. Jimmy "T-99" Nelson
TCB CD 43052
Originally
formed as a backing band in 2002, the six piece Blue Flagships is made
up of great European musicians, including two former members of the Mojo
Blues Band. They produce a powerfully exciting sound and carry two vocalists,
Tommie Harris - one-time drummer with Luther Allison - and Christina Elisabeth
Jaccard. Harris also narrates some background information on this album.
The material comes from live performances recorded in 2004, the first
session providing the opening four tracks, consisting of the instrumental
'Hucklebuck'; Harris's vocals on 'La! La! La! Lady', where the powerhouse
band members rotate solos and Duke Seidmann's sax break is particularly
strong; Harris again on 'Don't Blame Shorty For That' featuring David
Ruosch on piano and Norbert Schneider on guitar; and band vocal support
for Harris on the faster 'Hey Lawdy Mama'. For the remainder, Schneider
is replaced on guitar by guest Alex Schultz, from Los Angeles, who has
plaed behind William Clarke and Rod Piazza among many others. Another
guest, the well-respected Sax Gordon (Beadle), is added on tenor sax and
Jimmy "T-99" Nelson sings on four titles. The standard of performance
on all twelve live tracks is particularly high and it is impossible to
select one above the others - except for the amazing closer, the sax-led
'Have Horn Will Travel', penned by Sax Gordon, who also provides the vocal
on this frantic near-instrumental which becomes a battle of the saxes
with Duke Seidmann, in six minutes fifty seconds worth of energy-sapping
blowing - an amazing display of saxology. Of the five other instrumentals,
the jazzy 'Down For Debbie' features three saxes with Wendelin Salzmann
swapping baritone for tenor sax. 'Roll 'Em' has David Ruosch playing some
fine boogie woogie piano, Al Sears' 'Castle Rock' is a 'builder' with
saxes and piano to the fore, Alex Schultz's guitar dominates both the
swinging 'Swing Pheasant' and 'Strollin' With Bone', which builds to a
climax with powerful horns and busy drums. Christina Elisabeth Jaccard
is a fine performer who sings on two contrasting numbers, the up-tempo
'It Won't Be Long', with an exciting Gordon solo, and the unhurried, bluesy
'Slowly Goin' Out Of Your Mind', with sympathetic, atmospheric guitar
and sax, this time from Duke Seidmann. Jimmy Nelson opens with the "first
record I ever made", the slow 'T-99 Blues', proceeds appropriately
by shouting in Joe Turner vein on 'I Got A Gal For Everyday In The Week',
and ambles through 'Lucille' and 'Meet Me With Your Black Dress On' in
fine style, belying his 85 years with his still strong vocals. This is
a strong album throughout and, whereas most live recordings are a disappointment,
this one definitely is not. It is an excellent blues album.
D-Beschreibung
aus dem "Jazztime" (September 2005):
"Blues-
und Swingmusik, "made in Switzerland" mit freundlicher und kompetenter
Unterstützung einiger US-Cracks. "Blues Flagships" führt
die Hörer durch ein Programm von vokal und instrumental präsentiertem
Bluesmaterial, das dem enormen amerikanischen Bluesrepertoire entstammt
und entsprechend bearbeitet wurde. Drei Vokalsolisten sorgen für
die, dieser Stlistik entsprechenden Authentizität, die man von US-Aufnahmer
her gewohnt ist. Zu hören ist Jimmy "T99" Nelson, einer
der letzten echten Bluesshouter, Tommie Harris, auch er Spezialist dieses
Genres sowie Christine Elisabeth Jaccard, eine Zürcher Vokalistin
mit passendem Feeling und gefühlvoller Artikulation. Dazu diese Saxofon-betonte
Band, wobei sich die zwei lokalen Saxofonisten (Seidmann und Salzmann)
mit ihrem US-Kollegen Gordon Beadle die Soli teilen. Beadle stammt aus
der Schule der so genannten "Jump Tenors" und bringt das ekstatische
Element in die Gruppe. Dazu ein weiterer Gast aus den USA, Gitarrist Alex
Schultz, der offenbar stilistisch und instrumental keine Grenzen kennt.
Die Aufnahmen wurden zum grössten Teil live eingespielt, ein echtes
Fest für jeden
Blues- und Swingbegeisterten - so kreiert man mit Jazz eine Bombenstimmung,
so wie man sie selten empfindet. Garantie zum Mitwippen!"
Crosscut
Mailorder-Katalog 2005/III (D-Hamburg)
von Detlev Hoegen
"Grossartige
R&B-Produktion, die sich der Musik der 1940er und frühen 50er
verschrieben hat. Zusammen mit einigen hochkarätigen Gästen
wie einem der letzten Blues-Shouter der grossen Ära, Jimmy "T-99"
Nelson (geboren 1919), erfüllt diese Formation live und im Studio
auf ausgesprochen hohem Niveau die Sounds jener Tage mit neuem Leben.
Hervorragend! Great traditional style r&b production, a project initiated
by a couple of blues enthusiasts and great players from Switzerland and
Austria. Augmented by a bunch of extraordinary musicans from the U.S.,
they have recorded a great set of swinging r&b, both in the studio
and and live on stage. Highly recommended!"
JUMP,SWING
UND BLUES
Bluesgitarrist Jeremy Spencer galt lange als verschollen. In Zürich
brillierte er zusammen mit den Blue Flagships
Von
Nick Joyce (Tages Anzeiger Zürich 14.8.2004)
Unter
Musikern gehört es zum guten Ton, sich für die gelungene Zusammenarbeit
zu bedanken. Jeremy Spencer fordert aber den Applaus für seine Kollegen
und Kolleginnen ein, noch bevor er selbst einen einzigen Ton gespielt
hat. Die Zürcher Blue Flagships hätten ihn aus der Versenkung
holen können, so der mittlerweile 56-jährige Londoner, weil
sich das Sextett um Duke Seidmann jener Musik verschrieben habe, die ihn
schon zu seiner Zeit bei Fleetwood Mac begeisterte: Jump, Swing und Blues.
Das sind keine leeren Höflichkeiten, die der Slidegitarrist an die
Adresse der Gastgeber richtet: Die Blue Flagships operieren dank ihrer
knarrigen Rhythmusgruppe, einem sprudelnden Piano und neckischen Saxofonsoli
mit Verve und Vitalität. Derart kompakt hat man diese Art Musik lange
nicht mehr gehört. Dennoch bleibt Spencer am Donnerstagabend im Weissen
Saal des Volkshauses die Hauptattraktion. Und er zeigt sehr bald, warum
das so ist. Sparsam und elegant fügt er das Gitarrenvokabular seines
Vorbilds Elmore James ins runde Zusammenspiel der Blue Flagships ein,
setzt Akzente und Kontraste, ohne die Arrangements dominieren zu müssen.
Vielseitigkeit ist Spencers Sache zwar nicht. Er bleibt James' Wendungen
treu, erweist sich dabei aber als stilsicher. Durch sein Spiel und eine
souveräne weisse Bluesstimme klingen Standards wie "Crossroads"
oder "Rock me Baby" eindringlich und nostalgiefrei. Einen Schönheitsfehler
hat der Abend: Obwohl die Musiker für das Konzert sieben Stunden
geprobt haben, verbringt Spencer nur gerade die Hälfte des Sets auf
der Bühne. Gerne hätte man mehr von ihm gehört, zumal es
keine Sicherheiten dafür gibt, dass man diesen seltenen Gast je wieder
in Zürich erleben darf.
©
Aargauer Zeitung / MLZ; 09.08.2004
Kultur Zeitung
In
dreissig Jahren die Musik gegen innen verdichtet
Comeback
Jeremy Spencer kehrt in die Öffentlichkeit zurück und gibt diese
Woche zwei Konzerte
Seit
dreiunddreissig Jahren hat Fleetwood-Mac-Gründer und British-Blues-Pionier
Jeremy Spencer seine Musik praktisch nie mehr öffentlich gespielt.
Jetzt haben ihn Musiker aus Österreich und der Schweiz aus dem stillen
Kämmerlein gelockt.
Hanspeter Künzler
Es
beginnt alles im Mövenpick Glattbrugg. Dort haben sich Duke Seidmann,
Saxofonist bei The Blue Flagships (Motto: «Saxy 40s Rhythm &
Blues!»), und Konzertpromoter Emanuel Gauthier für eine Besprechung
niedergelassen. Nebenbei erzählt Gauthier, wie er vor einiger Zeit
Jeremy Spencer begegnet sei. An den Konzerten um Alain Simons «Gaia»-Projekt
zur Förderung des Umweltbewusstseins unter Kindern hätte er
die Rhythmusgitarre bedient. Und siehe da: Minuten später kurvt der
leibhaftige Spencer samt Ehefrau um die Ecke und schon wird intensiv gefachsimpelt,
und zwar nicht über die Starband Fleetwood Mac, sondern über
den Blues der 40er-Jahre.
Erst
ein Privatkonzert . . .
Nach
eineinhalb Stunden drückt Seidmann Spencer zum Abschied noch das
CD-Buch seiner Band in die Hand. Drei Tage später läutet das
Telefon. Spencer ist von der Musik dermassen begeistert, dass er unbedingt
«etwas» machen wolle mit der Band. Tatsächlich kommt
es zu einem Privatkonzert im Welschland.
Am
Anfang habe man sich natürlich abtasten müssen, erinnert sich
Duke Seidmann: «Aber nach der Pause klickte es. Dreissig Jahre hat
er seine Musik für sich allein gegen innen verdichtet. Jetzt brach
sie mit einer kreativen Wucht und fast kindlichen Freude aus ihm heraus,
die uns nur so staunen liess.»
.
. . dann zwei offizielle Auftritte
Dermassen
Spass hatte Jeremy Spencer an dem Auftritt, dass er sich nun sogar hat
dazu entschliessen können, zwei offizielle Auftritte mit The Blue
Flagships zu unternehmen. Dies ist aus zwei Gründen bemerkenswert.
Zum Ersten hat Spencer seit jenem legendären Nachmittag im Jahr 1971
in Los Angeles, wo er spontan einem Mitglied der Children-of-God-Sekte
folgte, statt abends mit seiner Band auf die Bühne zu gehen, das
Rampenlicht konsequent gemieden.
«Am
Tag vorher war mir bewusst geworden, wie ich das Leben in der Band hasste
und wie grässlich unsere Musik war», erklärt Spencer in
einem letztes Jahr auf DVD gebanntem Interview. «Ich betete, dass
Gott mich befreien würde. Dass ich am nächsten Tag diesem Mann
begegnete, war ein Zeichen. Ich habe es kein Moment bereut.»
Spannende
Neukonstellation
Die
neue Konstellation ist auch deswegen erstaunlich, weil Spencers Slide-Gitarrenstil
ganz vom in den 50er-Jahren in Chicago wirkenden Elmore James geprägt
worden ist. Die Blue Flag-ships hingegen halten sich an eine Bluesform,
die heute weitgehend vom Radar verschwunden ist - den so genannten Jump-Blues.
Diese Musik erfreute sich zwischen 1945 und 1953 in den urbanen, schwarzen
Tanzklubs der USA grosser Beliebtheit. Sie war entstanden, als die Produzenten
von Chicago «raue», aus dem Mississippi-Delta «eingewanderte»
Blues-Sänger, mit Bläsern und Pianisten zusammenbrachten, die
früher in den grossen Big Bands gespielt hatten, nach dem Krieg nun
aber arbeitslos waren. Dieser Blues kam denn mit viel Pfiff, Swing und
Virtuosität daher.
Gerade
die berauschende Komplexität von Riffs und Rhythmen dürfte ihm
zum Verhängnis geworden sein. Weisse Teenager entdeckten sehr wohl
den schwarzen Rhythm & Blues, wurden aber von einer unheiligen Allianz
von besorgten Eltern und geschäftstüchtigen Plattenfirmen zum
entschärften, «saubereren» Rock ’n’ Roll
geführt.
Die
Elektrifizierung des Gitarren-Blues sowie neue schwarze Ausdrucksformen
wie Soul liessen den Jump-Blues ebenfalls in Vergessenheit geraten. So
betritt denn die Kombination von Jeremy Spencer und The Blue Flagships
sozusagen musikalisches Neuland. «Aber uns geht es sowieso nicht
darum, eine museale Band zu sein», erklärt Duke Seidmann. «Uns
geht es darum, im Geist dieser wunderbaren Musik weiterzuwirken und ihn
weiterleben zu lassen.»
Konzerte:
Do., 12. August, Volkshaus Zürich, Fr., 13. August Jazztage Lichtensteig.
Alte
Kunst Jeremy Spencers Stil geht zurück bis in die 50er-Jahre. ho
PERÖNLICH
DIE ZEITSCHRIFT FÜR WERBUNG UND MEDIEN, OKTOBER 2002
Titelgeschichte: Jumpin' At The Flagships:
Eine
Art "Buena Vista Rhythm 'n' Blues Club" offerierten die Ringier-Zeitschriften
in Zürich, St. Prex und Locarno der einsam im Mittelland zurückgebliebenen
Werbekundschaft während des Verlegerkongresses. Ringiers scheidender
Werbemarktleiter Duke Seidmann versammelte unter dem Label "LEGENS
OF RHYTHM 'N' BLUES einige amerikanische Weltklassemusiker auf der Bühne.
Doch nicht etwa eine beliebige Jam-Session-Atmosphäre war angesagt,
sondern die überzeugend arrangierte Zelebration eines fast vergessenen
Stils: des R&B der vierziger Jahre. Zum ersten Mal ausserhalb der
USA zu hören: die rüstige Sax-Legende Jimmy Coe (unglaubliche
81). Die Tenor-Muskeln spielen liess auch der unverwüstliche "Heavyweight
Champion" Red Holloway (75), und Blues-Diva Carrie Smith verzauberte
das Publikum mit unverfälschtem, von grosser Stimme getragenem Blues.
Ausserordentlich auch das Frank Muschalle Trio mit Gitarren-Entdeckung
Rusty Zinn und Pianovirtuose Dave Ruosch. Die Rhythmsection agieenden
Europäer schienen die grossen Stars aus USA zu inspirieren. Die spürbar
gute Laune sprang denn auch auf das Publikum über. Und so war man
nach fast drei Stunden Musik fast schon enttäuscht, als Seidmann,
der erstaunlicherweise auch als kongenialer dritter Saxer und EmCee auftrat,
das Ende eines ausserordenlichen Events ankündigte. Das ganze Konzert
wird Ende Jahr auf SF DRS ausgestrahlt. (TOW)
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