PRESSE
   
 

 

BLUE FLAGSHIPS/After Hour Joints
Elite Special, 2008

"Authentischer kann man R&B nicht spielen! Mitreissende und bewegende Aufnahmen, die in der Schweiz entstanden. Neben der Standardbesetzung kommen einige Veteranen sowie US-amerikanische Gitarristen zum Zug. Eine wunderbar geglückte Zeitreise ohne Anflug von Nostalgie!"

Detlev Hoegen
Crosscut Records

Giessener Anzeiger/Lokales
9.11.2007
I. Müller

The Blue Flagships sorgten für kühne Sprünge auf dem Parkett
Begeisterndes Konzert mit einer Mischung aus Swing, Boogie sowie Rhythm´n Blues

ORTENBERG (mü). Volles Programm ist man im Jazzclub Ortenberg gewöhnt - eine volle Tanzfläche schon viel weniger. Gehören die hiesigen Jazzer doch zu den Laid-Back-Genießern, die eher nach einem fulminanten Solo zur Höchstform auflaufen, als sich auf dem Parkett zu kühnen Sprüngen hinreißen zu lassen. Große Ausnahmen: der traditionelle "Carnival of Jazz" - und eben dieser Abend mit The Blue Flagships im Bürgerhaus Ortenberg. Die sieben Vollblutmusiker aus Österreich, der Schweiz und den USA boten eine exzellente Mischung aus Swing, Boogie sowie Rhythm´n Blues der "Saxy Swinging 40ies" und zogen damit vor allem die eigens angereisten Tanzpaare vom Tanzsportclub "Schwarz-Gold Aschaffenburg" vor die Rampe. Aber auch unter den Tischen wippte und steppte es gehörig, als die Band, die sich für dieses Konzert um den Ortenberger Ausnahme-Pianisten Dirk Raufeisen gruppiert hatte, mit "Kansas City", "Meet Me With Your Black Dress On" und "I Want To Rock and Roll" ihr Terrain absteckte. Es zeigte sich, dass The Blue Flagships vom bandeigenen Pianisten Dave Ruosch nahtlos zu einem vielseitigen Künstler wie Dirk Raufeisen wechseln und dabei jede Menge Spaß haben konnten.

Tommie Harris, der Alterspräsident der Band, einst von dem Züricher Saxophonisten, Sänger und Bandgründer Duke Seidmann für The Blue Flagships angeworben, beflügelte mit seiner Stimme und seinem Charisma die Band, ließ sich andererseits aber auch spürbar von den jüngeren Musikern Wendelin Salzmann (Tenor- und Bariton-Saxophon, Gesang), Norbert Schneider (Gitarre, Gesang), Dani Gugolz (Kontrabass), Peter Müller (Drums) und Dirk Raufeisen (Piano) mitreißen. Als Koryphäe des Blues aus dem US_Bundesstaat Alabama begann Harris seine Karriere als Gospelsänger, spielte in Marching-Bands als Schlagzeuger und wurde 1987 in die Alabama Jazz Hall of Fame aufgenommen. Seit 1970 ist Deutschland seine Heimat. Mit großer Sicherheit versteht er es, den klavier- und saxbetonten, tanzbaren Unplugged-Blues der Südstaaten in die heutige Zeit zu übersetzen. Seine Kollegen von den Blue Flag- ships verkörpern eine Band, die genau diese Stilart wie nur wenige Spezialisten in Europa beherrscht. Als 2002 eine Begleitband für Red Holloway, Carrie Smith und Fleetwood-Mac-Mitbegründer Jeremy Spencer gesucht wurde, ging für die Musikerkollegen Duke Seidmann und Dani Gugolz ein Traum in Erfüllung: Den Kennern der Szene gelang es, eine Idealformation zusammenzustellen: The Blue Flagships waren geboren. Auf der Suche nach einem geeigneten Blues-Schlagzeuger brauchte sich Gugolz dabei quasi nur umzudrehen: Gemeinsam mit Peter Müller gehörte er seit den Neunzigern zur Wiener "Mojo Blues Band".

Der Züricher Gugolz kam über das Klavier und den Jazz zum Blues, bevor er als Profi-Bassist nach Wien ging. 1983 reiste er nach Chicago und spielte dort mit Bluesmusikern wie Eddie C. Campbell, Jimmy Walker und Big Smokey Smothers. Peter "Miller" Müller war seit 1989 das rhythmische Rückgrat der "Mojo Blues Band". In Fred Below, dem legendären Schlagzeuger aus Chicago, der den "Double Shuffle" zur Perfektion brachte, entdeckte Müller sein Vorbild und zugleich das Bindeglied zwischen Blues und Jazz. Mit dem jungen Wendelin Salzmann aus St. Gallen in der Schweiz fanden The Blue Flagships einen ungeheuer vielseitigen Profi-Saxophonisten, der sich seine ersten Lorbeeren unter anderem mit Mundartrock, Europäischer Volksmusik von Klezmer bis Guggemusig, in Straßen-, Afro- und Bigbands verdiente. Das zweite junge Gesicht der Band gehört dem 28-jährigen Wiener Norbert Schneider, gern als "Frauenschwarm" apostrophiert, der an diesem Abend mit "Sliping and sliding", lautmalerischen Improvisationen und ungeheuer spannungs- und klangfarbenreichen Gesang vom Absturz ins Liebesleid berichtete. Duke Seidmann schließlich, Blues-Shouter und Master of Ceremony hat für den R&B der vierziger und frühen fünfziger Jahre den Begriff Prerock-Music erfunden und schöpft die Spannweite dieses Stils mit Tenor-Vorbildern wie Al Sears, Ben Webster und Eddie "Lockjaw" Davis nach allen Regeln der Kunst aus. Der langjährige Präsident des "Jazz Circle Zürich" sorgt neben Tommie Harris für die Ansagen und hält die Band auf der Bühne zusammen.

Nürtinger Tageszeitung/Lokalnachrichten
26.11.2005
Jürgen Gerrmann

NÜRTINGEN. Die "Blue Flagships" verwandelten den kleinen Saal des Nürtinger K3N am Freitagabend in ein Tollhaus - Musiker als auch Publikum vergassen die Zeit völlig.... Passend zum Einsteinjahr erlebte man gemeinsam mit dieser bunt gemischten Truppe, wie relativ der Begriff „Zeit“ denn zu sein vermag. Trotz 160 Minuten musikalischen Hochgenusses, für den der Begriff „mitreißend“ im Grunde noch zu niedrig gegriffen ist, fragte sich danach so mancher: „Was, schon vorbei?!“. Die Schwaben zeigten einmal mehr ihr wahres Gesicht: Als Zeitgenossen, die kein Halten mehr kennen, wenn sie jemand ins Herz geschlossen haben - und das spürten die sieben auf der Bühne von den ersten Takten an. Wenn man etwas mit Freude tut, dann gelingt es eben besonders gut - und die BLUE FLAGSHIPS, sie müssen eine große Freude gehabt haben an diesem Abend
- spürten gleich zu Beginn, wie sehr die Herzen der 250 Menschen im kleinen Saal der Stadthalle mit-swingten, wie auch sie vom Pulsschlag dieser Musik, die vor Leben nur so strotzt, zu immer grösserer Begeisterung getrieben wurden. Das Erstaunliche: Bis auf Sänger Tommie Harris, der durch die Aufnahme in die Jazz Hall of Fame seiner Heimat Alabama bereits geadelt ist und die große Zeit des Rhythm ’n’ Blues nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet hat, kennen alle anderen diese Musik quasi nur vom Hörensagen –aber wie sehr sie sie verinnerlicht haben, das grenzt schon fast an ein Wunder.

Das galt selbst für den Jungspund auf der Bühne: Der erst 26jährige Norbert Schneider schwamm putzfidel durch die Wogen des Rhythm ’n’ Blues und genoss zudem sichtlich die Rolle als Frauenschwarm des Abends. Die Debütantin des Abends meisterte ihre Premiere schlichtweg mit Bravour – neben so einem grandiosen Tenorsaxophonisten wie Duke Seidmann - Nina Kubik schaffte es indes schon beim allerersten Auftritt mit den Flagships (sie substituierte den erkrankten Wendelin Salzmann), sich nicht nur fantastisch einzufügen, als sei sie buchstäblich schon seit Urzeiten dabei, sondern auch ebenso niveau- wie wirkungsvolle eigene Akzente zu setzen. Hört und sieht man Dirk Raufeisen, der ja schon für sich einer der besten deutschen Jazzpianisten ist, dann fragt man sich, wie es überhaupt möglich sein kann, mit derart affenartiger Geschwindigkeit die richtigen Tasten zu treffen. Und Dani Gugolz und Peter Müller sorgten mit Kontrabass und Schlagzeug nicht nur für eine lockere fröhliche Stimmung, sondern auch dafür, dass der Abend immer den richtigen Drive hatte.

Blues hält jung: Tommie Harris ist der lebende Beweis dafür. Der Altmeister blüht mit dieser jungen Truppe auf, reißt die anderen mit und wird von ihnen mitgerissen. Bei den Blue Flagships, da sang und tanzte, schnippte und wippte nicht nur der Körper, sondern auch und gerade die Seele. Und in solchen Momenten gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft. Sondern nur noch Gegenwart. Das Jetzt und Hier. Nur dann ist ja der Mensch wirklich bei sich. Und kann das wahre Leben spüren.

Bülacher Tagblatt 13.11.2005

Heisse Rhythm-and-Blues-Show mit „The Blue Flagship“
Begeisternde Begegnung mit authentischer Black-Music im “JazzInn” Bülach

Zu einem mitreissenden Live-Erlebnis wurde das sonntägliche Debutkonzert des "Blue Flagships Septetts" im vollbesetzten "JazzInn"-Lokal in Bülach-Nord beim Jazzclub.
Eine derartige Publikumsbegeisterung in kürzester Zeit hatte man im geschichtsträchtigen Lokal des Jazzclubs Bülach tatsächlich noch nie erlebt. Denn dank der kurzfristigen Verpflichtung der international renommierten Formation „The Blue Flagships“ brachte Jazzclub-Präsident Paul R. Tantanini unter dem nicht alltäglichen Programm Slogan „Saxy’40ties Rhythm & Blues“ einen schwarzen Musikstil nach unserem Bezirkshauptort, wie man ihn selbst auf der CH-Jazzszene bisher noch nie gehört hatte. Diese dynamische Profi-Band sind der Schweizer Bandleader, Tenorsaxofonist und Sänger Duke Seidmann, Wendelin Salzmann (Tenor und Bariton, Saxofon), Dave Ruosch (Klavier), Dani Gugolz (Kontrabass, vocal), Peter Müller (Drums), Norbert Schneider (Gitarre, vocal) sowie der farbige US-Sänger Tommie Harris aus Alabama. Im Gepäck hatten sie auch ihre brandneue TCB-CD „The Blue Flagships – live“, di stellenweise gleichzeitig Programm war!
Wilde Saxofone – heisse Rhythmen
Die sieben Musiker der Spitzenband verbindet seit 2003 eine grenzenlose Liebe zum packenden Rhythm&Blues-Tanzstil der 40er Jahre in den farbigen Getthos der amerikanischen Industrie-Grossstädte. Durch den Eintritt der USA nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour in den Zweiten Weltkrieg war dort eine Kriegsindustrie angelaufen, welche vielen arbeitslosen Schwarzen plötzlich ein regelmässiges Einkommen und einen bescheidenen Wohlstand brachte. Man ging wieder aus und tanzte an den Wochenenden in den Tanzhallen zu völlig entfesselter Live-Musik. In diesem mitreissenden Jazz- und Bluesstil wartete auch die vitale „Flagships“-Combo mit viel Charme und ansteckender Spielfreude auf, die angesichts des hohen spieltechnischen Niveaus der sich restlos engagierenden Profis wiederholt stürmischen Beifall auf offener Szene auslöste. Während etwa der Tasten-Virtuose Dave Ruosch mit rollenden Boogies am Flügel aufhorchen liess, spielten Duke Seidmann und Wendelin Salzmann wild peitschende Saxofon-Riffs, wozu die Rhythmiker Dani Gugolz und Peter Müller einen total swingenden Drive beisteuerten. Norbert Schneider erwies sich sowohl als Gitarren- wie Blues-Freak ebenso grossartig wie der farbige Blues-Sänger und Entertainer Tommie Harris, der mit authentischen R&B-Klassikern wie „Hey Lawdy Mama“ oder „La, La, La Lady“ für Furore sorgte!

From: Blues & Rhythm magazine (England) No. #204, November 2005
Reviewer: Paul Harris
THE BLUE FLAGSHIPS: Live - feat. Jimmy "T-99" Nelson
TCB CD 43052

Originally formed as a backing band in 2002, the six piece Blue Flagships is made up of great European musicians, including two former members of the Mojo Blues Band. They produce a powerfully exciting sound and carry two vocalists, Tommie Harris - one-time drummer with Luther Allison - and Christina Elisabeth Jaccard. Harris also narrates some background information on this album. The material comes from live performances recorded in 2004, the first session providing the opening four tracks, consisting of the instrumental
'Hucklebuck'; Harris's vocals on 'La! La! La! Lady', where the powerhouse band members rotate solos and Duke Seidmann's sax break is particularly
strong; Harris again on 'Don't Blame Shorty For That' featuring David Ruosch on piano and Norbert Schneider on guitar; and band vocal support for Harris on the faster 'Hey Lawdy Mama'. For the remainder, Schneider is replaced on guitar by guest Alex Schultz, from Los Angeles, who has plaed behind William Clarke and Rod Piazza among many others. Another guest, the well-respected Sax Gordon (Beadle), is added on tenor sax and Jimmy "T-99" Nelson sings on four titles. The standard of performance on all twelve live tracks is particularly high and it is impossible to select one above the others - except for the amazing closer, the sax-led 'Have Horn Will Travel', penned by Sax Gordon, who also provides the vocal on this frantic near-instrumental which becomes a battle of the saxes with Duke Seidmann, in six minutes fifty seconds worth of energy-sapping blowing - an amazing display of saxology. Of the five other instrumentals, the jazzy 'Down For Debbie' features three saxes with Wendelin Salzmann swapping baritone for tenor sax. 'Roll 'Em' has David Ruosch playing some fine boogie woogie piano, Al Sears' 'Castle Rock' is a 'builder' with saxes and piano to the fore, Alex Schultz's guitar dominates both the swinging 'Swing Pheasant' and 'Strollin' With Bone', which builds to a climax with powerful horns and busy drums. Christina Elisabeth Jaccard is a fine performer who sings on two contrasting numbers, the up-tempo 'It Won't Be Long', with an exciting Gordon solo, and the unhurried, bluesy 'Slowly Goin' Out Of Your Mind', with sympathetic, atmospheric guitar and sax, this time from Duke Seidmann. Jimmy Nelson opens with the "first record I ever made", the slow 'T-99 Blues', proceeds appropriately by shouting in Joe Turner vein on 'I Got A Gal For Everyday In The Week', and ambles through 'Lucille' and 'Meet Me With Your Black Dress On' in fine style, belying his 85 years with his still strong vocals. This is a strong album throughout and, whereas most live recordings are a disappointment, this one definitely is not. It is an excellent blues album.

D-Beschreibung aus dem "Jazztime" (September 2005):

"Blues- und Swingmusik, "made in Switzerland" mit freundlicher und kompetenter Unterstützung einiger US-Cracks. "Blues Flagships" führt die Hörer durch ein Programm von vokal und instrumental präsentiertem Bluesmaterial, das dem enormen amerikanischen Bluesrepertoire entstammt und entsprechend bearbeitet wurde. Drei Vokalsolisten sorgen für die, dieser Stlistik entsprechenden Authentizität, die man von US-Aufnahmer her gewohnt ist. Zu hören ist Jimmy "T99" Nelson, einer der letzten echten Bluesshouter, Tommie Harris, auch er Spezialist dieses Genres sowie Christine Elisabeth Jaccard, eine Zürcher Vokalistin mit passendem Feeling und gefühlvoller Artikulation. Dazu diese Saxofon-betonte Band, wobei sich die zwei lokalen Saxofonisten (Seidmann und Salzmann) mit ihrem US-Kollegen Gordon Beadle die Soli teilen. Beadle stammt aus der Schule der so genannten "Jump Tenors" und bringt das ekstatische Element in die Gruppe. Dazu ein weiterer Gast aus den USA, Gitarrist Alex Schultz, der offenbar stilistisch und instrumental keine Grenzen kennt. Die Aufnahmen wurden zum grössten Teil live eingespielt, ein echtes Fest für jeden
Blues- und Swingbegeisterten - so kreiert man mit Jazz eine Bombenstimmung, so wie man sie selten empfindet. Garantie zum Mitwippen!"

Crosscut Mailorder-Katalog 2005/III (D-Hamburg)
von Detlev Hoegen

"Grossartige R&B-Produktion, die sich der Musik der 1940er und frühen 50er verschrieben hat. Zusammen mit einigen hochkarätigen Gästen wie einem der letzten Blues-Shouter der grossen Ära, Jimmy "T-99" Nelson (geboren 1919), erfüllt diese Formation live und im Studio auf ausgesprochen hohem Niveau die Sounds jener Tage mit neuem Leben. Hervorragend! Great traditional style r&b production, a project initiated by a couple of blues enthusiasts and great players from Switzerland and Austria. Augmented by a bunch of extraordinary musicans from the U.S., they have recorded a great set of swinging r&b, both in the studio and and live on stage. Highly recommended!"

JUMP,SWING UND BLUES
Bluesgitarrist Jeremy Spencer galt lange als verschollen. In Zürich brillierte er zusammen mit den Blue Flagships

Von Nick Joyce (Tages Anzeiger Zürich 14.8.2004)

Unter Musikern gehört es zum guten Ton, sich für die gelungene Zusammenarbeit zu bedanken. Jeremy Spencer fordert aber den Applaus für seine Kollegen und Kolleginnen ein, noch bevor er selbst einen einzigen Ton gespielt hat. Die Zürcher Blue Flagships hätten ihn aus der Versenkung holen können, so der mittlerweile 56-jährige Londoner, weil sich das Sextett um Duke Seidmann jener Musik verschrieben habe, die ihn schon zu seiner Zeit bei Fleetwood Mac begeisterte: Jump, Swing und Blues.
Das sind keine leeren Höflichkeiten, die der Slidegitarrist an die Adresse der Gastgeber richtet: Die Blue Flagships operieren dank ihrer knarrigen Rhythmusgruppe, einem sprudelnden Piano und neckischen Saxofonsoli mit Verve und Vitalität. Derart kompakt hat man diese Art Musik lange nicht mehr gehört. Dennoch bleibt Spencer am Donnerstagabend im Weissen Saal des Volkshauses die Hauptattraktion. Und er zeigt sehr bald, warum das so ist. Sparsam und elegant fügt er das Gitarrenvokabular seines Vorbilds Elmore James ins runde Zusammenspiel der Blue Flagships ein, setzt Akzente und Kontraste, ohne die Arrangements dominieren zu müssen.
Vielseitigkeit ist Spencers Sache zwar nicht. Er bleibt James' Wendungen treu, erweist sich dabei aber als stilsicher. Durch sein Spiel und eine souveräne weisse Bluesstimme klingen Standards wie "Crossroads" oder "Rock me Baby" eindringlich und nostalgiefrei. Einen Schönheitsfehler hat der Abend: Obwohl die Musiker für das Konzert sieben Stunden geprobt haben, verbringt Spencer nur gerade die Hälfte des Sets auf der Bühne. Gerne hätte man mehr von ihm gehört, zumal es keine Sicherheiten dafür gibt, dass man diesen seltenen Gast je wieder in Zürich erleben darf.

© Aargauer Zeitung / MLZ; 09.08.2004
Kultur Zeitung

In dreissig Jahren die Musik gegen innen verdichtet

Comeback Jeremy Spencer kehrt in die Öffentlichkeit zurück und gibt diese Woche zwei Konzerte

Seit dreiunddreissig Jahren hat Fleetwood-Mac-Gründer und British-Blues-Pionier Jeremy Spencer seine Musik praktisch nie mehr öffentlich gespielt. Jetzt haben ihn Musiker aus Österreich und der Schweiz aus dem stillen Kämmerlein gelockt.
Hanspeter Künzler

Es beginnt alles im Mövenpick Glattbrugg. Dort haben sich Duke Seidmann, Saxofonist bei The Blue Flagships (Motto: «Saxy 40s Rhythm & Blues!»), und Konzertpromoter Emanuel Gauthier für eine Besprechung niedergelassen. Nebenbei erzählt Gauthier, wie er vor einiger Zeit Jeremy Spencer begegnet sei. An den Konzerten um Alain Simons «Gaia»-Projekt zur Förderung des Umweltbewusstseins unter Kindern hätte er die Rhythmusgitarre bedient. Und siehe da: Minuten später kurvt der leibhaftige Spencer samt Ehefrau um die Ecke und schon wird intensiv gefachsimpelt, und zwar nicht über die Starband Fleetwood Mac, sondern über den Blues der 40er-Jahre.

Erst ein Privatkonzert . . .

Nach eineinhalb Stunden drückt Seidmann Spencer zum Abschied noch das CD-Buch seiner Band in die Hand. Drei Tage später läutet das Telefon. Spencer ist von der Musik dermassen begeistert, dass er unbedingt «etwas» machen wolle mit der Band. Tatsächlich kommt es zu einem Privatkonzert im Welschland.

Am Anfang habe man sich natürlich abtasten müssen, erinnert sich Duke Seidmann: «Aber nach der Pause klickte es. Dreissig Jahre hat er seine Musik für sich allein gegen innen verdichtet. Jetzt brach sie mit einer kreativen Wucht und fast kindlichen Freude aus ihm heraus, die uns nur so staunen liess.»

. . . dann zwei offizielle Auftritte

Dermassen Spass hatte Jeremy Spencer an dem Auftritt, dass er sich nun sogar hat dazu entschliessen können, zwei offizielle Auftritte mit The Blue Flagships zu unternehmen. Dies ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum Ersten hat Spencer seit jenem legendären Nachmittag im Jahr 1971 in Los Angeles, wo er spontan einem Mitglied der Children-of-God-Sekte folgte, statt abends mit seiner Band auf die Bühne zu gehen, das Rampenlicht konsequent gemieden.

«Am Tag vorher war mir bewusst geworden, wie ich das Leben in der Band hasste und wie grässlich unsere Musik war», erklärt Spencer in einem letztes Jahr auf DVD gebanntem Interview. «Ich betete, dass Gott mich befreien würde. Dass ich am nächsten Tag diesem Mann begegnete, war ein Zeichen. Ich habe es kein Moment bereut.»

Spannende Neukonstellation

Die neue Konstellation ist auch deswegen erstaunlich, weil Spencers Slide-Gitarrenstil ganz vom in den 50er-Jahren in Chicago wirkenden Elmore James geprägt worden ist. Die Blue Flag-ships hingegen halten sich an eine Bluesform, die heute weitgehend vom Radar verschwunden ist - den so genannten Jump-Blues. Diese Musik erfreute sich zwischen 1945 und 1953 in den urbanen, schwarzen Tanzklubs der USA grosser Beliebtheit. Sie war entstanden, als die Produzenten von Chicago «raue», aus dem Mississippi-Delta «eingewanderte» Blues-Sänger, mit Bläsern und Pianisten zusammenbrachten, die früher in den grossen Big Bands gespielt hatten, nach dem Krieg nun aber arbeitslos waren. Dieser Blues kam denn mit viel Pfiff, Swing und Virtuosität daher.

Gerade die berauschende Komplexität von Riffs und Rhythmen dürfte ihm zum Verhängnis geworden sein. Weisse Teenager entdeckten sehr wohl den schwarzen Rhythm & Blues, wurden aber von einer unheiligen Allianz von besorgten Eltern und geschäftstüchtigen Plattenfirmen zum entschärften, «saubereren» Rock ’n’ Roll geführt.

Die Elektrifizierung des Gitarren-Blues sowie neue schwarze Ausdrucksformen wie Soul liessen den Jump-Blues ebenfalls in Vergessenheit geraten. So betritt denn die Kombination von Jeremy Spencer und The Blue Flagships sozusagen musikalisches Neuland. «Aber uns geht es sowieso nicht darum, eine museale Band zu sein», erklärt Duke Seidmann. «Uns geht es darum, im Geist dieser wunderbaren Musik weiterzuwirken und ihn weiterleben zu lassen.»

Konzerte: Do., 12. August, Volkshaus Zürich, Fr., 13. August Jazztage Lichtensteig.

Alte Kunst Jeremy Spencers Stil geht zurück bis in die 50er-Jahre. ho

PERÖNLICH DIE ZEITSCHRIFT FÜR WERBUNG UND MEDIEN, OKTOBER 2002
Titelgeschichte: Jumpin' At The Flagships:

Eine Art "Buena Vista Rhythm 'n' Blues Club" offerierten die Ringier-Zeitschriften in Zürich, St. Prex und Locarno der einsam im Mittelland zurückgebliebenen Werbekundschaft während des Verlegerkongresses. Ringiers scheidender Werbemarktleiter Duke Seidmann versammelte unter dem Label "LEGENS OF RHYTHM 'N' BLUES einige amerikanische Weltklassemusiker auf der Bühne. Doch nicht etwa eine beliebige Jam-Session-Atmosphäre war angesagt, sondern die überzeugend arrangierte Zelebration eines fast vergessenen Stils: des R&B der vierziger Jahre. Zum ersten Mal ausserhalb der USA zu hören: die rüstige Sax-Legende Jimmy Coe (unglaubliche 81). Die Tenor-Muskeln spielen liess auch der unverwüstliche "Heavyweight Champion" Red Holloway (75), und Blues-Diva Carrie Smith verzauberte das Publikum mit unverfälschtem, von grosser Stimme getragenem Blues. Ausserordentlich auch das Frank Muschalle Trio mit Gitarren-Entdeckung Rusty Zinn und Pianovirtuose Dave Ruosch. Die Rhythmsection agieenden Europäer schienen die grossen Stars aus USA zu inspirieren. Die spürbar gute Laune sprang denn auch auf das Publikum über. Und so war man nach fast drei Stunden Musik fast schon enttäuscht, als Seidmann, der erstaunlicherweise auch als kongenialer dritter Saxer und EmCee auftrat, das Ende eines ausserordenlichen Events ankündigte. Das ganze Konzert wird Ende Jahr auf SF DRS ausgestrahlt. (TOW)